Editorial

Editorial 12 (2018), 22

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Freundinnen und Freunde von Medaon,

ohne das so geplant zu haben, finden sich in dieser Ausgabe gleich mehrere Beiträge mit Bezug zum gerade seinen 70. Gründungsjahrestag feiernden Staat Israel. Beate Klostermann-Reimers und Ulrike Pilarczyk analysieren Fotos und Briefe aus dem zionistischen Auswanderungsprojekt ‚Cherut‘ bei Hameln in den 1920er Jahren. Cordula Gdaniec widmet sich russischen Weltkriegserinnerungen im heutigen Israel. Und Johannes Becke stellt die reduktionistische Beschreibung des zionistischen Projekts als ‚Siedler-Kolonialismus‘ in Frage.

Beckes Essay bezieht sich damit auch kritisch auf einen Artikel in der Ausgabe 20 von letztem Frühjahr (Ran Greensteins „Settler colonialism and indigeneity“). Wir hatten vor einem Jahr darauf hingewiesen, dass Greensteins Text für kontroverse Diskussionen in der Redaktion gesorgt hatte. Jener Teil der Redaktion, der explizit nicht hinter dem Text steht, hatte daran ebenso seine wissenschaftlich fragwürdige Dogmatik und politische Einseitigkeit kritisiert wie seine an völkische Konzepte erinnernde, essenzialistische Affirmation palästinensischer „Indigenität“.

Auch der Beitrag von Klaus Hödl reagiert auf einen früheren Beitrag in Medaon. Er greift die Debatte um das Verhältnis von jüdischer zu „allgemeiner“ Geschichtsschreibung, ebenfalls in Nummer 20, erneut auf und argumentiert dafür, die analytische Trennung zugunsten der Diskussion von ‚Ähnlichkeiten‘ aufzuheben. Mit dieser Beziehungsgeschichte im weiteren Sinne beschäftigt sich auch der Artikel von Dieter Langewiesche zum Verhältnis des deutschen Judentums zum Bildungsliberalismus.

Regionale Aspekte jüdischer Geschichte werden in den Beiträgen von Marc Oliver Rieger und Steffen Heidrich beleuchtet: die Synagoge in Stavenhagen als Erinnerungsort und die demographische Entwicklung der jüdischen Gemeinde in Dresden. Marina Sassenberg würdigt die Historikerin Selma Stern. Weitere Einzelbeiträge und Rezensionen runden auch diese Ausgabe ab.

Die Fertigstellung dieses Hefts wäre ohne die Unterstützung aller Gutachterinnen und Gutachter nicht zustande gekommen. Die Korrekturen bzw. Übersetzungen übernahmen diesmal Cathleen Bürgelt, Dan Davies, Maria Diemling, Christian Kurmann, Phillip Roth, Marcus Schaub, Patricia C. Sutcliffe und Steffen Schröter von text plus form – ihnen allen danken wir herzlich!

Die Redaktion von Medaon im Mai 2018.

Autor(en): Redaktion Medaon 

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