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Georg Lilienthal | Jüdische Patienten als Opfer der NS-„Euthanasie“-Verbrechen

Vorliegender Aufsatz skizziert den Krankenmord an jüdischen Anstaltspatienten im gesamten Reichsgebiet nach heutigem Kenntnisstand. Die Sonderaktion, die zu diesem Zweck 1940/41 im Rahmen der NS-"Euthanasie"-Gasmordaktion ("Aktion T4") von Berlin aus organisiert wurde, steht dabei im Mittelpunkt. Als Grundlage der Darstellung dienen regionale Untersuchungen, die seit Henry Friedlanders Pionierwerk "The Origins of Nazi Genocide. From Euthanasia to the Final Solution" 1995 erschienen sind. Gleichzeitig wird der erstmals im Jahre 2000 von Heinz Faulstich unternommene Versuch, die Zahl der nachweislichen Todesfälle jüdischer Psychiatriepatienten zusammenzustellen, fortgeschrieben. Statt 1.026 sind damit jetzt 1.740 jüdische Opfer namentlich bekannt. Schließlich wird auf das Fehlen einer detaillierten Darstellung der zentral in Berlin vorgenommenen organisatorischen Planung der "T4"-Sonderaktion und ihrer schrittweisen Umsetzung in den einzelnen Reichsgebieten aufmerksam gemacht.

Mathias Berek | Schnittpunkt sozialer Kreise statt völkischer Verwurzelung – Die Entstehung moderner Sozialtheorie aus der deutsch-jüdischen Lebenswelt des 19. Jahrhunderts am Beispiel Moritz Lazarus

Kulturtheorie, Soziologie, Wissenschaftsgeschichte, deutsch-jüdische Geschichte, 19. Jahrhundert - Theory of Culture, Sociology, History of Science, German-Jewish History, 19th century, Völkerpsychologie, Lazarus, Simmel, Steinthal, Mathias Berek

Die Sozialtheorie des deutsch-jüdischen Philosophen Moritz Lazarus nimmt eine pluralistische Gesellschaftskonzeption vorweg, die bis heute aktuell ist. In ihrem Kern entspricht sie dabei zentralen Charakteristika der deutsch-jüdischen Lebenswelt des 19. Jahrhunderts. Lazarus war somit gleichzeitig paradigmatischer Vertreter dieser Lebenswelt wie proto-soziologischer Vordenker. Die Parallelen von Leben und Werk Lazarus' belegen den engen Zusammenhang von Lebenswelt und Theoriebildung.

Meik Zülsdorf-Kersting | „Weil das ebend die Befehle sind“. Jugendliche erklären das Täterhandeln im Holocaust. Empirische Befunde

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Die Rahmenbedingungen einer Holocaust Education verändern sich angesichts des Sterbens der Zeitzeugen fundamental. Der Holocaust im engeren Sinne und der Nationalsozialismus im weiteren Sinne werden in Zukunft nicht mehr erinnert, sondern nur noch erarbeitet werden können. Auf diese Veränderungen muss die historisch-politische Bildungsarbeit reagieren und viel stärker als bisher die Lernvoraussetzungen der jugendlichen Lerner berücksichtigen. Was denken die Jugendlichen über den Holocaust? Und vor allem: Wie erklären sie das Handeln und die Motive der Täterinnen und Täter?
Dieser Beitrag versucht zu zeigen, dass deutsche Jugendliche der dritten und vierten Generation ähnliche Erklärungen des Holocausts benutzen, wie es die Täter und Mitläufer seit 1945 getan haben. Historisch-politische Bildungsarbeit wird keine positiven Effekte zeitigen, wenn sie die Übernahme der Apologien, Entschuldigungen und Alibis der Täter ignoriert.

Nadja Bennewitz | Zwischen Repression, Resistenz und Migration. Alltag jüdischer Frauen im Nationalsozialismus im Spiegel des Nürnberg-Fürther Gemeindeblattes

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Aufgrund antisemitischer Einschränkungen und Verfolgungen veränderte sich das Alltagsleben jüdischer Deutscher ab 1933 erheblich. Anhand des Nürnberg-Fürther Israelitischen Gemeindeblattes von 1933-38 wird ein Einblick in das Gemeindeleben der jüdischen NürnbergerInnen gewährt und vor allem das Augenmerk auf den Alltag, die veränderten Arbeitsmöglichkeiten und den eingeschränkten Wirkungskreis von Frauen gerichtet: Renommierte Autorinnen, die einst reichsweit publizierten, bestritten nun gezwungenermaßen ausschließlich in der jüdischen Presse den redaktionellen Teil zusammen mit ihren Kollegen. Ihre Plädoyers über den Platz der Frauen in der Gemeinde bewegten sich zwischen der stärkeren Konzentration auf das religiöse häusliche Leben in Deutschland und der Auswanderung nach Palästina. Nach dem Arbeitsplatzverlust des Mannes mussten die Frauen nach neuen Verdienstmöglichkeiten suchen. So schuf auch in Nürnberg die Gemeinde Nebenverdienstmöglichkeiten für weibliche Arbeitskräfte. Nicht zuletzt bot die Einrichtung einer Beratungsstelle für Fragen der Auswanderung und Berufsumschichtung Frauen neue Betätigungsfelder. In der Stadt des Antisemiten Julius Streichers war diese Arbeit für die engagierten Frauen sicherlich gefährlicher als andernorts. Trotzdem lassen sich auch hier Formen eines humanitären und kulturellen Widerstands nachzeichnen, wie ihn die Ortsgruppe Nürnberg des Jüdischen Kulturbundes leistete.

Susanne Blumesberger | Von Giftpilzen, Trödeljakobs und Kartoffelkäfern – Antisemitische Hetze in Kinderbüchern während des Nationalsozialismus

Susanne Blumesberger, Giftpilzen, Trödeljakobs, Kartoffelkäfern, Antisemitismus, Kinderbücher, Nationalsozialismus, Annelies Umlauf-Lamatsch, Ernst Hiemer, Johanna Haarer, Schulpolitik, Pampf

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde auch die Kinder- und Jugendliteratur für Propagandazwecke missbraucht. Den Zielen der Nationalsozialisten, die Menschen zu tapferen Soldaten, hingebungsvollen Müttern, Patrioten und Antisemiten zu erziehen, hatten sich auch die Autorinnen und Autoren diesen Forderungen anzupassen. An einigen Beispielen wird geschildert, wie diese Kinder- und Jugendliteratur aussah, welche Sprache und Bilder verwendet wurden und vor allem wie Jüdinnen und Juden dargestellt wurden. Die antisemitische Hetze durchdrang nicht nur alle Gattungen der Kinder- und Jugendliteratur, sondern floss auch in die Schulbücher der NS-Zeit ein. So bleib kein deutsches oder österreichisches Kind, das in der damaligen Zeit zur Schule ging, von antisemitischer Propaganda verschont. Der Beitrag möchte dazu beitragen, diesen immer noch nicht aufgearbeiteten Teil der Geschichte wieder ins Bewusstsein zu bringen.